Mentalität

Aufgrund der Tradition und Kultur verhalten sich Thais in manchen Belangen anders als Deutsche. Das ist zunächst einleuchtend, doch man vergisst die Mentalitätsunterschiede leicht im täglichen Umgang und kann daher oft zu Missverständnissen führen.

Besonders "das Gesicht", wie wir es nennen, ist ein uns Europäern fremdes Konzept.

Ein Thai denkt bei seinem Tun und Lassen oft weniger an die kurz- und schon gar nicht an die längerfristigen Folgen, sondern vor allem an den Augenblick und an sein "Gesicht". Er wird sein Tun oder Lassen oft danach ausrichten, sein Gesicht oder das von anderen Personen zu wahren. In Thailand wird dieses Verhalten mit Kreng Chai (เกรงใจ) bezeichnet.

Das Gesicht bewahren bedeutet für den Thai vor allem Konfrontationen zu umgehen und sich darum zu bemühen, sich oder andere Leute nicht in Verlegenheit zu bringen. Die ideale Art und Weise, das Gesicht zu wahren, ist Diskussionen über unangenehme Themen möglichst zu vermeiden, und sich lieber lächelnd aus einer unangenehmen Situation davon zu stehlen, als Konsequenzen auf sich zu nehmen. Das Lachen bei kleineren Unfällen- wie z.B. wenn jemand stolpert und stürzt - mag dem "Farang", also dem Westler, gefühllos erscheinen, aber es ist auch ein Versuch, das Gesicht der gefallenen Person zu bewahren.

Da er gewohnt ist, es mit lächelnden und ruhig sprechenden Menschen zu tun zu haben, reagiert ein Thai leicht irritiert, wenn ihm jemand mit ernstem oder verkniffenem Gesicht begegnet, und fühlt sich bedroht, wenn ihn jemand anschreit. Der Farang, der über eines der vielen Dinge ausrastet, die ein Europäer als Faulheit, Desinteresse oder als unverschämte Abzockerei ansieht, verliert schnell sein Gesicht wenn er anfängt zu schreien. "Chai Yen" (ใจเย็น - kühles Herz), das heißt in jeder Situation einen kühlen Kopf zu bewahren, ist eine der wichtigsten Tugenden in Thailand. Die Thais packen ihren Ärger wie in eine Flasche, die aber dann auch mit einem großen Knall explodieren kann, wenn der Innendruck zu groß wird. Wenn ein Thai die Kontrolle verliert und anfängt zu schreien, ist es für den Farang klüger sich zu verziehen, egal ob es sich um die eigene Frau, oder um einen mit seinem Fahrgeld nicht einverstandenen Tuk-Tuk Fahrer handelt.

Da es bedeutsam ist in jeder Situation sein Gesicht zu wahren, sind die Thais auch empfindlich gegenüber persönlicher Kritik. Sie sind es gewohnt, dass man Kritik jemanden gegenüber nicht direkt äußert. Wenn man einen Thai, womöglich in Gegenwart anderer Leute, kritisiert, dann könnte er sein "Gesicht verlieren", eine ganz böse Sache für einen Thai. Dann kann es vorkommen, daß er ausrastet und völlig überzogen reagiert. Deutsche wollen grundsätzlich immer Recht haben; Thais hingegen wollen nie zugeben, dass sie etwas falsch gemacht haben, weil sie Angst haben, dann ihr Gesicht zu verlieren. Hier sind Missverständnisse und Ärger vorprogrammiert, wenn man die Verhaltensweisen des anderen nicht versteht und akzeptiert.

In Thailand kann das Gesicht eine sehr ernste, oder auch eine absurde Angelegenheit sein. Gesetzeshüter sind beleidigt, wenn man sie kritisiert, und sie beschützen ihre Kollegen, die in zweifelhafte Aktivitäten verwickelt sind. Wenn ein Thai sein Gesicht verliert, ist das Risiko des frühzeitigen Ablebens für den Verursacher um einige Prozent gestiegen. Unter der großen Zahl von Morden in Thailand sind viele eine Rache für einen erlittenen Gesichtsverlust.

Wenig verständlich ist den Farangs hingegen, wie leicht sich die Thais über den mit der Prostitution ihrer Töchter verbundenen Gesichtsverlust hinwegsetzen. Hier kommt der für Thais typische Pragmatismus voll zum Zuge, wenn abgewägt werden muss, zwischen allgemein akzeptierten Moralvorstellungen, und der Verpflichtung für den Lebensunterhalt der Kinder und der alten Eltern zu sorgen, die ja durch keinerlei Sozialversicherung abgesichert sind. Für Thais ist an der Prostitution solange nichts schlecht, wie sie Geld und damit finanzielle Kompensation für einen eventuellen Gesichtsverlust bringt.

Verhaltensregeln für Deutsche in Thailand

  • Vor dem Betreten eines Hauses oder Tempels Schuhe ausziehen
  • Auf saubere und angemessene Kleidung achte. Vor allem im tempel gilt: das Oberteil sollte mindestens die Schulter bedecken, Hose/Kleid mindestens Knielänge haben.
  • Komplett weiße oder schwarze Kleidung vermeiden, das sind in Thailand Farben der Trauer.
  • Nicht schlecht über das Königshaus reden (in Thailand gibt es strenge Gesetze zur "Majestätsbeleidigung")
  • Thais nicht am Kopf berühren (vor allem nicht Respektpersonen) - Der Kopf gilt als Sitz der Seele
  • Nicht über am Boden sitzende Menschen steigen.
  • Buddhastatuen mit Respekt behandeln.
  • Ruhig und höhflich bleiben, nie die Beherrschung verlieren und laut werden.
  • Um 8 Uhr und 18 Uhr wird in öffendlichen Gebäuden die Nationalhymne gespielt.
  • Ein Lächeln kommt immer gut, ob als Entschuldigung oder Dank.
  • Von Zärtlichkeiten in der Öffendlichkeit sollte man möglichst absehen
  • Von Drogen sollte man besser Abstand nehmen, da die Strafen in Thailand äußerst streng sind.